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Projekt Innopunkt - DmS - Durchlässigkeit mit System

INNOPUNKT ist das Modellförderungsprogramm des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie (MASF) des Landes Brandenburg, das aktuelle Themenschwerpunkte der Arbeitspolitik aufgreift und bearbeitet. Das Land Brandenburg unterstützt mit dem seit 2000 laufenden Programm eine stetige und innovative Weiterentwicklung der Arbeitspolitik, um gegenwärtige und zukünftige Problemstellungen mit den besten Ansätzen zu lösen. Angebots-, Qualitäts- und Transferorientierung sind neben der geforderten Innovation feste Bestandteile des Programms. INNOPUNKT-Themen werden im partnerschaftlichen Dialog abgestimmt und jeweils vom MASF bekannt gegeben und als Ideenwettbewerb ausgeschrieben.

Der VDI Berlin Brandenburg hat sich an der Innopunkt Initiative "DmS- Durchlässigkeit mit System" in Zusammenarbeit mit der AVT Teltow, dem Ausbildungsverbunfd der IHK Teltow beteiligt.

Zielsetzung dieses Projektes ist es, den Meistern mit abgeschlossenerqualifizierter Meisterausbildung und Berufserfahrung den Zugang zum Bachelorstudium zu ermöglichen, wie es das Hochschulgesetz heute schon ermöglicht und zusätzliche Anrechnungsmöglichkeiten für erworbene Kompetenzen zu schaffen.

Dies setzt einerseits qualifizierte Äquivalenzuntersuchungen voraus und erfordert Vereinbarungen mit den Hochschulen.

Die Initiative "Mehr Durchlässigkeit in der Berufsbildung - Brandenburg in Europawill mehr Akzeptanz für bereits bestehende rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten zur besseren Durchlässigkeit erreichen, gute Beispiele im Land fördern und Strukturen nachhaltig implementieren.

Siegfried Brandt


Berufsbegleitendes Studium für Meister - ein Ergebnis der INNOPUNKT-Initiativ

"Mehr Durchlässigkeit in der Berufsbildung - Brandenburg in Europa"

Prof. Dr. habil Hans Pomerenke / Dipl.-Ing. Siegfried Brandt

25.05.2014

Die Europäische Union sieht in der Weiterentwicklung individueller Qualifikationen und damit der Beschäftigungsfähigkeit ein Grunderfordernis in Zeiten demografisch bedingter Wandlungsprozesse und branchenbezogener Fachkräfteengpässe. Dementsprechend fördert sie die Entwicklung von Strategien zur Durchlässigkeit zwischen den Bildungsbereichen.

Im Rahmen der INNOPUNKT-Initiative "Mehr Durchlässigkeit in der Berufsbildung - Brandenburg in Europa" wurde durch Brandenburger Hochschulen, die IHK Potsdam, den Ausbildungsverbund Teltow e.V. - Bildungszentrum der IHK Potsdam, den Verein Deutscher Ingenieure Berlin Brandenburg und den Deutschen Gewerkschaftsbund untersucht, wie die Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschulbildung als Beitrag zur Fachkräftesicherung verbessert werden kann. Die Ergebnisse wurden 2014 in einer Brandenburger Erklärung zusammengefasst.

Der Ausbildungsverbund Teltow e.V. hatte im Rahmen dieser Initiative den Auftrag, gemeinsam mit dem Verein Deutscher Ingenieure Berlin-Brandenburg e.V. Möglichkeiten zur Erweiterung des Wissens von Beschäftigten mit Meisterabschluss an einer Hochschule festzustellen.

Eine Umfrage unter Bildungsinteressenten ergab folgende Prämissen für weiterführende Bildungsangebote:

  • Interesse an einer Hochschulqualifikation hatten vor allem Meister, die bereits langjährige Berufserfahrungen hatten und die in Führungsfunktionen eingesetzt waren, für deren Besetzung Hochschulabsolventen geplant waren.
  • Das Interesse am Erwerb eines Hochschulabschlusses war dabei größer als an einzelnen Weiterbildungsmodulen.
  • Um Beruf, Familie und Studium vereinbaren zu können, kam für die Studieninteressenten nur ein berufsbegleitendes Studium in Frage. Einige Interessenten hatten bereits Erfahrungen mit einem Fernstudium gesammelt. Dabei waren sie zu der Erkenntnis gekommen, dass die Aneignung des Lehrstoffes im Selbststudium sie überfordert und deshalb nur ein Studium mit begleitenden Präsenzveranstaltungen in Frage kommt.
  • Entsprechend den Anforderungen an betriebswirtschaftliche Kenntnisse von Führungskräften stand sowohl für die Studieninteressenten als auch für die Unternehmen ein Hochschulabschluss in Betriebswirtschaft im Mittelpunkt.
  • Aufgrund des hohen Niveaus der Meisterausbildung und der vorliegenden Praxiserfahrungen wünschten sich viele Studieninteressenten eine Prüfung der möglichen Anerkennung bestimmter Vorleistungen auf das Studium.

Der Ausbildungsverbund Teltow e.V. als Träger der Meisterakademie und der Wirtschaftsakademie der IHK Potsdam sowie der Verein Deutscher Ingenieure Berlin Brandenburg haben gemeinsam mit ihrer jeweiligen Kompetenz die Inhalte der beruflichen Qualifikation und der Hochschulqualifikation eingeschätzt. Einen besonderen Schwerpunkt dieser Einschätzung bildeten Äquivalenzvergleiche der Curricula der Meisterqualifikation mit denen der Studienrichtungen Ingenieurwesen und Betriebswirtschaft. Als Problem erwies sich dabei, dass das Studium nach klassischen Lehrgebieten strukturiert ist, während die bundeseinheitlichen Rahmenpläne für die Meisterqualifikation Handlungsbereiche definieren, die mehrere Lehrgebiete umfassen. Demzufolge mussten die Inhalte der Handlungsbereiche, die Taxonomiestufen und die Hinweise zur Stoffvermittlung einer detaillierten Analyse unterzogen werden. Entsprechend dem Bedarf der Studieninteressenten wurden die Meisterqualifikationen für Industrie- und Handwerksmeister der Fachrichtungen Metall und Elektrotechnik schwerpunktmäßig untersucht. Für den Äquivalenzvergleich wurden folgende Materialien herangezogen:

  • Rahmenpläne
  • Verordnungen zu den jeweiligen Prüfungen
  • DIHK-Textbände und Übungsbände
  • zentrale Prüfungsaufgaben und DIHK- Prüfungsbände

Im Ergebnis des Vergleichs könnten etwa 30 Prozent der Leistungen aus der Meisterausbildung auf die Studienrichtung Betriebswirtschaft angerechnet werden, darunter 10 Prozent mit einer ergänzenden mündlichen Prüfung.

Im Wintersemester 2010/2011 begannen fünf Meister ihr berufsbegleitendes Studium. Durch die Anerkennung einzelner Leistungen aus der Meisterausbildung ergab sich allerdings keine Reduzierung der Studienzeit von sechs Semestern, allerdings einen Verringerung der Präsenzzeiten und damit verbundener Selbststudienzeiten sowie Prüfungsleistungen.

Die Meister wurden von einem Dozenten individuell betreut, denn es zeigten sich einige Defizite vor allem in der Methodenkompetenz. Diese resultierten vor allem aus den unterschiedlichen Anforderungen der Meisterausbildung und des Studiums.

  • Das Studium basiert auf einer intensiven selbstständigen Erarbeitung von theoretischen Kenntnissen aus der Fachliteratur. Die Meisterausbildung stützt sich vorrangig auf Textbände sowie andere durch den DIHK herausgegebene Lehrmaterialien.
  • Die Studenten werden befähigt, sich mit unterschiedlichen Auffassungen kritisch auseinander-zusetzen und eine eigene begründete Position zu erarbeiten. In der Meisterausbildung wird eine einheitliche Lehrmeinung vermittelt.
  • Während des Studiums müssen die Studenten in verschiedenen Lehrgebieten zu vorgegebenen Themen Kurzreferate halten und sich Diskussionen stellen. Aus Zeitgründen ist das in der Meisterqualifikation nicht möglich.
  • Zum Abschluss des Studiums müssen Studenten zu einem praktischen Problem theoretisch begründete Lösungen in Form der Bachelorarbeit vorlegen, in einem Kolloquium präsentieren und verteidigen. Dabei ist Wissen aus verschiedenen Lehrgebieten anzuwenden. Eine analoge Leistungsüberprüfung fehlt in der Meisterausbildung.

Durch das Studium in kleinen Gruppen (max. 30 Studenten) waren individuelle Konsultationen bei Fachdozenten jederzeit möglich. Im Vergleich zu jüngeren Studenten zeichnete die Meister vor allem ihre Zielstrebigkeit, eine hohe Motivation und ein hohes Engagement in den Lehrveranstaltungen aus. Besonders in Kurzreferaten, Projektarbeiten, der Bachelorarbeit und dem Kolloquium konnten Meister aufgrund ihrer praktischen Erfahrungen bessere Ergebnisse als die "Regelstudenten" erzielen.

Von fünf Meistern haben vier im Jahr 2013 ihr Bachelorstudium mit Erfolg abgeschlossen. Gegenwärtig befinden sich weitere 15 Meister in einem berufsbegleitenden Bachelorstudium. Jeweils zum Herbstsemester (September) haben studieninteressierte Berufstätige die Möglichkeit, ein Bachelorstudium an der Wirtschaftsakademie der IHK Potsdam in Kooperation mit der Hochschule Südwestfalen aufzunehmen.

Die INNOPUNKT-Initiative hat damit zu nachhaltigen Ergebnissen hinsichtlich der Durchlässigkeit der Bildungswege geführt.

Siegfried Brandt


Brandenburger Erklärung

Wir haben über das Projekt "DmS - Durchlässigkeit mit System" mehrfach berichtet. Es sollte Voraussetzungen für die verbesserte Durchlässigkeit der Bildungsstrukturen ermitteln und den Zugang von qualifizierte Meistern zum Hochschulstudium ohne Abitur unter Anrechnung von erworbenen Kompetenzen durch Verabredungen mit den Hochschulen ermöglichen.

Mit der Unterzeichnung der Brandenburger Erklärung durch drei Minister(innen) hat die Politik dem Projekt die entsprechende Bedeutung zugewiesen.

Minister Günter Baaske vom Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie,

Ministerin Prof. Dr. Dr. Sabine Kunst vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur und

Ministerin Dr. Martina Münch vom Ministerium für Bildung, Jugend und Sport

haben die Bedeutung des Projektes für die Anpassung der Ansprüche der heutigen gesellschaftlichen und technischen Entwicklungen an unser Bildungssystem ebenso unterstrichen wie die Möglichkeit, mit den Erkenntnissen dieses Projektes dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Mit der Brandenburger Erklärung ist das Projekt nicht nur inhaltlich sondern auch formal abgeschlossen. Es liegt jetzt an den beteiligten gesellschaftlichen Gruppen, die Erkenntnisse umzusetzen.

Siegfried Brandt

Dokumente zum Download

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Datum

Beschreibung

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31.03.2014

Brandenburger Erklärung zur Stärkung der Durchlässigkeit zwischen Berufsbildung und Hochschule als Beitrag zur Fachkräftesicherung im Rahmen der INNOPUNKT-Initiative "Mehr Durchlässigkeit in der Berufsbildung - Brandenburg in Europa"

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2012/2013

Good Practice Beispiele des Ausbildungsverbunds Teltow e.V. - Bildungszentrum der IHK Potsdam:

"Überregionaler Ansatz zur Anrechnung"

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2012/2013

Informationen über die Studiermöglichkeiten von Meistern

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April 2012

VDI zum Deutschen Qualifikationsrahmen

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2012

VDI-Dokument: Zugang zum Studium durchlässig gestalten und finanziell sicherstellen

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20.11.2011

Präsentation "Mehr Durchlässigkeit in der Berufsausbildung"

von Dipl.-Ing. Siegfried Brandt

Letzte Aktualisierung: 01.07.2014

Projektleiterin:

Prof. Dr.-Ing. Burghilde Wieneke-Toutaoui

Prof. Dr.-Ing. Burghilde

Wieneke-Toutaoui

Technische Hochschule Brandenburg a.d.H.

Präsidentin

Magdeburger Str. 50

14770 Brandenburg an der Havel

wieneke@th-brandenburg.de

Tel.: +49 3381 355101

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