Hochschulpolitik in Berlin-Brandenburg

Dipl.-Ing. Siegfried Brandt Projektleiter:
Dipl.-Ing. Siegfried Brandt

Ingenieurbüro Brandt
Am Hochwald 15a
14532 Kleinmachnow



E-Mail: brandt.vdi@web.de
Telefon: 01522-9560213
Fax: 033203-25850



   Hochschulreform Bachelor/Master
   Offener Brief v. 14.11.2003 an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, K. Wowereit
   Offener Brief v. 01.12.2003 an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, K. Wowereit
  Anlage zum Offenen Brief vom 01.12.2003
  Positionspapier zum Thema "Strukturplanung der Universitäten
         im Rahmen der Hochschulvertragsverhandlungen in Berlin"
  Wachsendes Interesse an Bachelor- und Masterstudiengängen (zugefügt 23.02.2004)
  Artikel der TU intern vom 4. April 2004 zum Positionspapier des VDI
  Positionspapier zur Entwicklung des Bologna Prozesses Bachelor / Master
         Parlamentarischer Abend Berlin Brandenburg 30.11.2005
  Presseerklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) vom 04.07.2007 NEU!

In der Bologna Erklärung vom 19.September 1999 wurde von den europäischen Bildungsministern festgeschrieben, in den Hochschulen Europas vergleichbare zweistufige Abschlüsse zu schaffen. Für die technischen Berufe bedeutet dies, dass die klassische Ausbildung zum Diplom-Ingenieur mit Vor- und Hauptexamen ersetzt bzw. ergänzt werden soll durch einen Bachelor- und Masterabschluss.

Die Unternehmer sind damit in Ihren Einstellungsgesprächen damit konfrontiert, diese neuen Studienabschlüsse im Vergleich zu dem klassischen Diplomingenieur zu bewerten. Die Schulen müssen den Schülern, die vor einer Studienentscheidung stehen, die Veränderungen in den neuen Studienformen vermitteln. Die Entscheidungen für diese Hochschulreform sind getroffen, die Vorbereitung zu diesen Entscheidungen hat jedoch auch sehr kontroverse Meinungen offenbart.

Der VDI als Sprecher der Ingenieure hat sich sehr frühzeitig für die Einführung dieser gestuften Master- und Bachelor Studiengänge ausgesprochen, da damit eine bessere internationale Kompatibilität erreicht und die internationale Attraktivität des Hochschulstandortes Deutschland gestärkt wird. Die Hochschulen bereiten derzeit eine Umstellung ihres Curriculums auf diese neuen Studienformen vor.

Wir erwarten von diesen neuen Strukturen
  • Kürzere Studienzeiten
  • Flexiblere Studienplanung
  • Größere Individualität
  • Qualifizierten Kompetenzerwerb durch aktuelle Studienkonzepte
  • Internationale Kompetenz durch Studienaustausch mit ausländischen Hochschulen
  • Höhere Transparenz im Profil
  • An internationalen Standards orientierte Ausbildungsqualität.
Der Informationsstand über diese Vorgänge und Zielsetzungen ist jedoch sowohl bei den Unternehmen, die mit neuen Abschlüssen konfrontiert werden, wie bei den Schulen, die ihre Schüler auf diese Studienformen vorbereiten müssen, sehr unterschiedlich.

Wir möchten daher allen Zielgruppen, die mit diesem Thema konfrontiert sind, entsprechende Informationen zur Verfügung stellen,
- den Unternehmern als Unterstützung für Ihre Personalarbeit
- den Gymnasien/Lehrern als Unterstützung für ihre Aufklärungsarbeit an den Schulen.

Wir laden Sie und Ihre Kollegen auch ein, unsere VDI Informationsseite im Internet unter www.vdi.de/bachelor-master zu besuchen.

Sollte Ihrerseits Interesse an einem persönlichen Gespräch haben, so nehmen Sie Kontakt zu unserer Geschäftsstelle auf, (Reinhardtstr. 27 b, 10117 Berlin, Tel: 030/3410 177, Fax: 030/3410 261, bv-berlin-brandenburg@vdi.de, die Ihnen gerne einen Kontakt zu einem Mitglied des Vorstandes des VDI Berlin-Brandenburg oder der Landesvertreung herstellt.

Informationen erhalten Sie auch in folgender Powerpoint Präsentation, die Sie sich herunterladen können.

Außerdem stehen folgende pdf-Dokumente für Sie zum Download bereit:

Empfehlung für die Weiterqualifizierung von Ingenieurinnen und Ingenieuren - Wege zur lebenslangen Kompetenzentwicklung

Broschüre zum Thema "Ingenieurregister in europäischen Ländern"

Mit freundlichem Gruß

VDI Berlin Brandenburg
Siegfried Brandt
Landesvertreter



Offener Brief vom 14.11.2003 an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit

und Pressemitteilung / Medieninformation


verantwortlich für den Inhalt:
Dipl.-Ing. Siegfried Brandt
Landesvertreter VDI Berlin Brandenburg
Stv. Vorsitzender des Vorstandes des VDI Bezirksvereins Berlin Brandenburg

Mittelkürzungen bedrohen die Zukunft der Technischen Universität Berlin und ihren Beitrag für die Wirtschaftsentwicklung in Berlin

Mit großer Sorge hat der VDI Berlin-Brandenburg zur Kenntnis genommen, dass im Rahmen der Haushaltskonsolidierung des Berliner Senats die Technische Universität Berlin in den nächsten 5 Jahren Mittel in Höhe von ca. 33 Mio. € einsparen soll. Der VDI anerkennt die Bemühungen des Berliner Senats, den Haushalt zu sanieren ebenso wie seine Forderung, dass alle gesellschaftlichen Verantwortungsträger sich an dieser Sanierung zu beteiligen haben. Die hier vorgegebenen Ziele sind jedoch keine Sanierungsschritte, sondern gefährden die Zukunft der Technischen Universität ebenso wie die Entwicklungsfähigkeit der Stadt Berlin in eklatanter Form.

Der VDI Berlin-Brandenburg äussert sich hier nicht nur als Sprecher der Ingenieure, sondern primär in seiner Mitverantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung unserer Stadt auf der Basis eines hohen wissenschaftlichen Standortpotentials.

Unsere Argumente gegen diese Politik konzentrieren sich auf folgende Punkte :
  • Ingenieurtätigkeit ist sowohl für den produzierenden wie für den Dienstleistungsbereich eine zentrale Quelle von Wertschöpfung und damit von Wirtschaftskraft. Sie gilt es mit aller Kraft zu fördern, nicht zu beschneiden.
  • Ingenieurmangel gefährdet die Innovationsfähigkeit der Wirtschaft. Der zunehmende Fachkräftemangel wird zu einem echten Wirtschaftshindernis, die Unternehmen würden sich verstärkt um Standorte in anderen Ländern bemühen, um dies auszugleichen.
  • Hunderte von Arbeitsplätzen werden durch eine Hochschule der Qualität der TU Berlin generiert. Durch ihre Forschungsaktivitäten, Drittmittelvolumina und Ausgründungen in ihrem Umfeld entstehen Wachstumskeime für die heimische Wirtschaft.
  • Die Beseitigung der desolaten wirtschaftlichen Strukturschwäche in Berlin wird ohne die wirtschaftliche und wissenschaftliche Leistung aus diesen Quellen nicht gelingen. Berlin mit nur wenig Großindustrie, einem schwachen Mittelstand, dem die lokale Großindustrie als Kunde fehlt, würde bei einer weiteren Zerstörung des Wissenschafts- und Forschungspotentials die Innovationskraft entzogen.
  • Die Chancen der EU Osterweiterung sind ein Standortpotential in Berlin, aber nur auf Basis einer sich weiter entwickelnden, nicht strangulierten Forschungs- und Wissenschaftsplattform.
Der VDI hat sich in vielen Aktionen und Stellungnahmen dazu geäussert, dass der Ingenieurmangel den Technologiestandort Deutschland gefährdet. Diese Themen sind auch in einer großen Anfrage im Deutschen Bundestag behandelt und beantwortet worden. Die zentralen Aussagen für diese Berufsgruppe für den Technologie- und Wirtschaftsstandort Deutschland sind u.a.
  • Ingenieure/Innen gehören langfristig zu den intensivst nachgefragten Akademikern
  • Nach einem VDI Szenario fehlen in den nächsten Jahren mindestens 40.000 Ingenieure/Innen, Informatiker und Naturwissenschaftler, die durch die Hochschulabgängerzahlen nicht gedeckt werden können
  • Der Bedarf an Ingenieuren/Innen der Informations- und Kommunikationstechnologien entwickelt sich besonders stark.
  • Technische Bildung ist heute an allgemeinbildenden Schulen ein Stiefkind der Bildungspolitik. Dies würde jetzt verstärkt durch eine Existenz bedrohende Amputationen technischer Fakultäten.
Die proportionale Kürzung der Planfonds, sollte sie so wie geplant umgesetzt werden müssen, würde zu einer sofortigen Berufungssperre an der Technischen Universität führen, da die Kürzungsvolumina nur durch den Verzicht auf Neubesetzungen und durch den Abbau des akademischen Mittelbaues umsetzbar sind. Alle anderen Wege sind beamtenrechtlich und auf Grund der Zusage auf Verzicht betriebsbedingter Kündigungen gar nicht möglich.

Der Verzicht auf Berufungen würde wegen des Generationswechsels in der Professorenschaft dazu führen, dass ca. 200, d.h. rund 2/3 aller Professuren, innerhalb der nächsten 5 Jahre vakant bleiben bzw. werden.

Unbesetzt und damit nicht arbeitsfähig.

Damit würden unter anderem folgende Kernbereiche einer technischen Universität nicht mehr arbeitsfähig sein und könnten ab folgenden Terminen keine Studierenden mehr zulassen:

Maschinenbau ab 2004
Elektrotechnik ab 2007
Vermessungswesen ab 2005
Verkehrswesen ab 2004
Physikalisches Ingenieurwesen ab 2004
Informatik ab 2005
Informationstechnik im Maschinenwesen ab 2007
Architektur ab 2005


Der Berliner Senat bemüht sich, Wirtschaftskraft fördernde Leitunternehmen nach Berlin zu holen oder in Berlin zu binden. Werden diese Unternehmen, wie zum Beispiel die führenden Elektrounternehmen, am Standort Berlin Interesse haben, wenn es eine Fakultät für Elektrotechnik oder Maschinenbau nicht mehr gibt? Wird es überhaupt noch gelingen, bei dieser aktuellen Spardiskussion kompetente Wissenschaftler zu berufen?

Leistungsfähigkeit und Wirtschaftskraft dokumentieren sich nicht in wachsendem Anteil des Niedriglohnniveaus, sondern nur durch Innovationskraft, und die ist an Hochlohnniveau gekoppelt. Innovationskraft fordert solide Grundlagenforschung und -vermittlung für technische Spitzenleistungen. Nur diese sind heute im globalen Wettbewerb überlebensfähig. Die aktuellen arbeitsmarktpolitischen Strukturprobleme der Unternehmen überdecken weiterhin, dass der Personalmangel innovationshemmender ist als der Mangel an Finanzierungsquellen. Gerade Branchen mit großem Anteil an hoch qualifizierten Beschäftigten, und darunter zumeist speziell ausgebildeten Ingenieuren, trifft der Fachkräftemangel besonders. Langfristig führt diese Entwicklung zu einem strategischen Nachteil im nationalen und globalen Wettbewerb. Auch kleine und mittlere Betriebe sind besonders hart betroffen. Sie sind Hauptarbeitgeber für Ingenieure und Informatiker mit mehr als zwei Dritteln aller technischen Fach- und Führungskräfte.

Die Technische Universität Berlin muss sich an den Aufgaben der Haushaltskonsolidisierung beteiligen, sie darf es aber nur auf der Basis eines inhaltlichen Konzeptes mit klaren Zielen in der Bildungs- und Standortpolitik. Diese lässt der Berliner Senat bis heute vermissen.

Wir müssen die Technische Universität dann auffordern, ihre Strukturentscheidungen selber zu treffen, also
  • Konzentration der Lehrerausbildung an der TU auf die natur- und technikwissenschaftlichen orientierten Lehrämter
  • Reduktion der Geisteswissenschaften auf die für die Bildung von Ingenieuren notwendigen Kompetenzen
  • Synergieschöpfung in der wirtschaftswissenschaftlichen Ausbildung mit den anderen Hochschulen
  • Konsequente gegenseitige Dienstleistungen zwischen den verschiedenen Universitäten
  • Konsequente Abschaffung wissenschaftsfeindlichen Gremienwildwuchses.
Der Berliner Senat ist für die Strukturplanung der Berliner Universitäten verantwortlich. Die Wahrnehmung dieser Verantwortung steht seit Jahren aus. Der VDI Berlin Brandenburg bietet dem Berliner Senat an, seine Kompetenz den politischen Entscheidungsträgern zur Verfügung zu stellen.

VDI Berlin Brandenburg

Siegfried Brandt
Landesvertreter


Lesen Sie hierzu auch einen
Artikel der Berliner Morgenpost vom 18.11.2003:
"Firmen werden abwandern"
Verein Deutscher Ingenieure warnt vor Sparzwang für Hochschulen

(pdf-Format für den Adobe Acrobat Reader, 136 KB)

Offener Brief vom 01.12.2003 an den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit

und Pressemitteilung / Medieninformation


verantwortlich für den Inhalt:
Dipl.-Ing. Siegfried Brandt
Landesvertreter VDI Berlin Brandenburg
Stv. Vorsitzender des Vorstandes des VDI Bezirksvereins Berlin Brandenburg

Aktuelle Hochschulpolitik für die Technische Universität Berlin führt zu dauerhaft irreparablen Schäden für die Wirtschaftskraft des Standortes Berlin

Sehr geehrter Herr Regierender Bürgermeister,

wir haben Ihnen am 14.11.2003 in einem offenen Brief unsere Stellungnahme zu der aktuellen Kürzungspolitik des Berliner Senates bei den Plafonds der Technischen Universität vorgetragen und die Kompetenz des VDI bei der Lösung dieser Probleme angeboten.

Mit großer Sorge haben wir die weitere Entwicklung beobachtet, sowohl die Reaktionen der Studentenschaft, wie die Antworten unserer hierfür handelnden Politiker. Wir bekunden unser volles Verständnis für die Reaktion der Studenten, obwohl wir mit Ihnen auch der Meinung sind, dass damit Gespräche nicht einfacher werden. Sie dokumentieren jedoch die existentielle Bedrohung und schöpfen hieraus ihre Berechtigung.

Wir können jedoch in keiner Weise die Reaktion der Politik billigen. Die Auswirkungen der Grenzszenarien der Technischen Universität sind Ihnen hinreichend bekannt. Auch die Auswirkungen auf den Innovationsstandort nicht nur Berlins, sondern auch Deutschlands, haben nicht nur der VDI in mehreren Stellungnahmen deutlich gemacht und der Politik vermittelt. Sie erhalten in der Anlage nochmals unsere Einschätzung über die Kürzungen im Hochschulbereich und die Auswirkungen auf den Innovationsstandort Deutschland.

Mit Ihren Aussagen, dass Sie diese Proteste aushalten werden, werden Sie der Brisanz der Thematik in keiner Weise gerecht. Wir möchten Sie bitten, ein Klima zu schaffen, in dem beide Seiten ihren Verpflichtungen nachkommen, dies vermitteln und dann in konstruktive Lösungsgespräche gehen.

Es ist Aufgabe der Politik, nicht der Präsidenten der Universitäten/Hochschulen die Strukturvorgaben für die Universitäten zu machen. Dieser Verpflichtung entzieht sich die Politik zur Zeit. Aber nur auf Basis dieser Strukturvorgaben können die Hochschulen eigene Vorstellungen entwickeln. Wir stimmen Ihnen zu, dass es durch Doppelstudiengänge, fehlende Serviceleistungen zwischen den Hochschulen, Qualitätsverbesserungen, Verwaltungsvereinfachungen etc. Rationalisierungspotentiale an den Hochschulen geben wird. Basis hierfür müssen jedoch strukturelle Rahmenvorgaben der Politik für die Hochschulen sein.

Die Hochschulen sind auf ihren Standort angewiesen, die Unternehmen nicht. Die Abwanderungen von Firmen, die sich gerade wegen ingenieurwissenschaftlicher Fakultäten für den jeweiligen Standort entschieden haben, ist also absehbar. Der Standort Berlin braucht aber die wirtschaftliche Kraft dieser Unternehmen. Mit der aktuellen Politik werden Sie dauerhaft irreparablen Schaden für die Stadt erzeugen.

Der VDI Berlin-Brandenburg bietet Ihnen nicht nur an, in den Aktivitäten zur Lösung dieser Probleme seine Kompetenz einzubringen, wir werden auch weiterhin die Konsequenzen dieses Handelns offenlegen.

Der Verein Deutscher Ingenieure ist der größte Ingenieurverein Deutschlands. Er ist kein Lobbyist von Unternehmen, sondern Interessenvertreter der Ingenieure und schöpft seine Kompetenz aus einem weitreichenden Netzwerk von Fachleuten in jeder Ingenieurbranche. Wir fühlen uns nicht nur dem technischen Detail, sondern auch der Gesamtverantwortung aus jeder Art von ingenieurtechnischer Wertschöpfung verpflichtet, technisch, wirtschaftlich wie gesellschaftlich.

Wir werden diese Verantwortung jederzeit zum Ausdruck bringen.

Mit freundlichem Gruß


Siegfried Brandt

Landesvertreter VDI Berlin-Brandenburg
Stv. Vorsitzender des Vorstandes VDI BB


Anlage zum Offenen Brief vom 01.12.2003

Kürzungen im Hochschulbereich bedrohen den Innovationsstandort Deutschland

Situation der Hochschulen

Im Herbst dieses Jahres konnten sich die meisten Hochschulen über den starken Anstieg der Studierenden in den ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen freuen. Auch die Bundesregierung begrüßte den Anstieg der Studierenden in diesen Schlüsseldisziplinen:

Eine hoch entwickelte Dienstleistungsgesellschaft, deren Wachstum zunehmend von der Ressource Wissen abhängt, ist auf einen wachsenden Anteil hoch qualifizierter Fachkräfte angewiesen. Um junge Menschen für ein Studium gewinnen zu können, müssen sowohl die individuellen Bedingungen für die betroffenen Personen attraktiv sein, als auch die Hochschulausbildung insgesamt. In den vergangenen Jahren haben Bund und Länder hier Erfolge erreicht. Die Studienanfängerquote im Tertiärbereich A (in Deutschland Universitäten und Fachhochschulen) ist im Jahr 2001 auf 32 % gegenüber 28 % im Jahr 1998 gestiegen. Für das Jahr 2002, für das OECD-Angaben noch nicht vorliegen, ist ein weiterer Anstieg der Studienanfängerquote auf 36 % zu verzeichnen. Trotz dieses Erfolges liegt die Studienanfängerquote in Deutschland noch deutlich unter dem Ländermittel von 47 % und der Abstand zu den Spitzenreitern Neuseeland (76 %), Finnland (72 %) und Schweden (69 %) ist groß. (Quelle: Wesentliche Aussagen der OECD zur Ausgabe 2003, BMBF, 16.09.2003)


Die Kürzungen der Länder auf Hochschulebene führen allerdings zu erheblichen Ressourcenproblemen. Dabei ist nicht nur der Hochschulbetrieb an sich gefährdet, sondern auch insbesondere die Sicherung der Innovationsfähigkeit, also der Forschungstätigkeit der Hochschulen.
Der auch von der Bundesregierung immer wieder angesprochene Ingenieurmangel wird durch die starken Kürzungen verstärkt werden. So ist ein Szenario der TU Berlin, dass es in vielen ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen zu kompletten Zulassungsstopps für Studierende kommen wird. Angesichts der Bedeutung von Ingenieuren für die gesamte Volkswirtschaft ist dies durchaus als Horror-Szenario zu bezeichnen.

-> Übersicht: Fehlende Wertschöpfung durch Fachkräftemangel bei Ingenieuren


Bedrohung Nummer eins: Nachwuchsmangel

Jahr für Jahr ist ein Bedarf von 20 000 Ingenieuren nicht gedeckt. Die Zahl der Absolventen in den in-genieurwissenschaftlichen Kerngebieten ist bereits in den vergangenen Jahren um rund ein Drittel ge-sunken - von 46 000 auf knapp über 30 000. Nicht viel besser sieht es in den Bereichen Physik und Chemie aus. Zwar schreiben sich wieder mehr junge Leute in technikwissenschaftliche Studiengänge ein. Doch ihre Zahl genügt bei weitem nicht, um die Lücke zu schließen, geschweige denn, die wach-sende Nachfrage zu befriedigen.

-> Grafik: Fachkräftemangel in den ingenieurwissenschaftlichen Kerndisziplinen

Der Mangel an gut ausgebildeten Naturwissenschaftlern und Ingenieuren gefährdet zunehmend die Innovationskraft der Unternehmen. Eine Studie des VDI zeigt, dass über 60 Prozent der Unternehmen zu wenig Ingenieure und Fachkräfte finden, um im gewünschten Umfang neue Produkte und Verfahren zu entwickeln. Wenn schon die Unternehmen, die meist bessere monetäre Anreize bieten können, nicht das qualifizierte Fachpersonal binden kann, so sind die Hochschulen in der jetzigen Situation dazu noch weniger in der Lage.

Der gesamte Forschungsbereich an Hochschulen ist durch diese radikalen Kürzungen gefährdet. Bis zum Jahr 2010 sollten zwar laut Rot-Grün bei Regierungsantritt 1998 durch staatliche und private Mittel für FuE zwar wieder drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung stehen. Derzeit sind es aber nur 2,5 Prozent, und damit deutlich weniger als in den USA (2,8), in Japan (3,0) oder gar in Finnland und Schweden, die annähernd vier Prozent in die Zukunft investieren.


Botschaft des VDI

Verzögert durch die Studiendauer wird es in ca. 5 Jahren - bedingt durch die aus Ressourcengründen starke Reduzierung der aufgenommenen Studienanfänger - zu einem Mangel an qualifizierten Fachkräften kommen. Die Hochschulen sind auf ihren Standort angewiesen, die Unternehmen nicht. Die Abwanderung von Firmen, die sich gerade wegen ingenieurwissenschaftlichen Fakultäten für den jeweiligen Standort entschieden haben, ist also absehbar.

Der VDI rät daher dringend, bei den nötigen Kürzungen im Hochschulbereich die Bedeutung der ingenieurwissenschaftlichen Fächer für den Wirtschaftsstandort Deutschland zu berücksichtigen. Die Kürzungen die heute getroffen werden, können fatale Auswirkungen - insbesondere in den Zukunftstechnologien - nach sich ziehen und nicht durch kurzfristige Maßnahmen revidiert werden.



Positionspapier
zum Thema "Strukturplanung der Universitäten im Rahmen der Hochschulvertragsverhandlungen in Berlin"


Positionspapier zum Downloaden Das Positionspapier wurde im Zuge der kritischen Entwicklungen im Bereich der Berliner Hochschulpolitik vom Landesvertreter und stv. Vorsitzenden des Bezirksvereins Berlin-Brandenburg, Dipl.-Ing. Siegfried Brandt, entwickelt. Sie können das Positionspapier hier als pdf-Datei für den kostenlosen Adobe Acrobat Reader downloaden (Größe: 370 KB).





Wachsendes Interesse an Bachelor- und Masterstudiengängen

Die Bedeutung der neuen konsekutiven Studiengänge ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. So lag der Anteil der Studienanfänger und Studienanfängerinnen, die ein Studium mit dem Ziel eines Bachelor- oder Masterabschlusses aufgenommen haben, im Jahr 2002 bei 6,4 Prozent (2001 bei 4,3 Prozent). Dies ist der höchste Stand seit Einführung der neuen, konsekutiven Studienabschlüsse Bachelor (BA) und Master (MA) im Jahr 1998. Insgesamt befanden sich 67 000 Studierende in einem Bachelor- oder Masterstudiengang, dies waren 72% mehr als noch im Jahr 2001.

In Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen wurden im Jahr 2002 die höchsten Anteile von Studienanfängern in Bachelorstudiengängen festgestellt. Bei den Masterstudiengängen, die einen ersten Hochschulabschluss voraussetzen, waren die Anteile in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg am höchsten. Besonders viele Studierende haben sich für einen BA- oder MA-Studiengang in den Fächern Informatik, Internationale Betriebswirtschaft/Management und Wirtschaftswissenschaften entschieden.

Eina ausführliches Papier zum Thema "Quantitative Entwicklungen in den Bachelor- und Masterstudiengängen seit Einführung der neuen Studiengangstruktur", verfasst vom Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, können Sie HIER als pdf-Datei (54 KB) herunterladen.



Artikel der TU intern vom 4. April 2004 zum Positionspapier des VDI

Artikel der TU intern zum downloaden Der Artikel erschien am 4. April 2004 in der Zeitschrift "TU intern" Nr. 4 und befasst sich mit dem von der VDI Landesverband verfassten Positionspapier (siehe oben). Sie können den Artikel hier als pdf-Datei für den kostenlosen Adobe Acrobat Reader downloaden (Größe: 299 KB, rechte Maustaste, "Ziel speichern unter").


Positionspapier
zur Entwicklung des Bologna Prozesses Bachelor / Master
Parlamentarischer Abend Berlin Brandenburg 30.11.2005


Positionspapier zum Downloaden Das Positionspapier wurde vom Landesvertreter und Mitglied des Vorstands des Bezirksvereins Berlin-Brandenburg, Dipl.-Ing. Siegfried Brandt, entwickelt. Sie können das Positionspapier hier als pdf-Datei für den kostenlosen Adobe Acrobat Reader downloaden (Größe: 164 KB).


Presseerklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK)
Zur Situation und Perspektiven der Universitäten in Berlin
04.07.2007


Presseerklärung der HRK zum Download Das Presseerklärung der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) vom 04.07.2007 zum Download als pdf-Datei (35 KB)