Parlamentarischer Abend in Berlin Die Landesvertretung des VDI Berlin-Brandenburg veranstaltete am 30. November 2005 im Preußischen Landtag, dem Sitz des Berliner Abgeordnetenhauses, einen Parlamentarischen Abend, zu dem die Abgeordneten des Berliner Abgeordnetenhauses und des Brandenburgischen Landtages eingeladen waren. Thema war der Stand der Entwicklung des Bologna-Prozesses, der für die Region Berlin-Brandenburg wegen der großen Hochschuldichte von hoher Bedeutung ist. Im Rahmen der Podiumsdiskussion stellten sich die Teilnehmer
Dipl.-Ing. Dieter Schliek, Vorsitzender VDI BB, Sven Weickert, uvb; Dipl.-Ing. Siegfried Brandt (LV VDI BB; Prof. Dr. Jörg Steinbach, TUB; Dr. Anette Fugmann-Hesing, MdA; Prof. Dr. Herbert Grüner, FHTW Berlin; Mathis Kuchejda, VDMA Berlin (v.l.) Da das Podium mit Vertretern der Hochschulen, TU und FHTW, ebenso mit Verbandssprechern, VDMA und uvb, und Politik besetzt war, wurde die Diskussion sehr kompetent und auf hohem Niveau geführt, partiell naturgemäß auch kontrovers. Es gab Konsens unter allen Beteiligten, den Bologna-Prozess mit den Bachelor- und Master-Abschlüssen als zukunftsweisende Reform der Studienstrukturen zu sehen und zu unterstützen. Die vielfältigen in der Presse immer wieder erscheinenden Zweifel an der Berufsbefähigung des Bachelor wurden nicht geteilt, gerade von den Technischen Universitäten wird jedoch darauf hingewiesen, dass dieser Studienabschluss den Charakter eines Rohdiamanten besitzt, der der kontinuierlichen Weiterentwicklung während einer Berufstätigkeit oder in einem Aufbaustudium bedarf. Es gab durchaus kontroverse Einschätzungen, wo der Bedarf liegt. VDI und VDMA artikulierten deutlich, dass zur Standortsicherung im globalen Wettbewerb sowohl Quantität wie Qualität von Masterabschlüssen gesichert werden muss. Prof. Steinbach von der TU Berlin legte sich sehr klar darauf fest, dass er an der Sicherung der Qualität des heutigen Diplom-Ingenieurs beim neuen Master durch einen konsekutiven Studienplan mit weiterhin solider Grundlagenausbildung im Bachelor und Fachorientierung im Master festhalten wird. Der Wechsel vom Fachhochschul-Bachelor zum TU-Master wird möglich durch Prüfung der Profilvoraussetzungen, gegebenenfalls mit Ergänzung der Profile, in einem Auswahlverfahren. Prof. Steinbach plädiert dafür, keine Fronten zwischen den verschiedenen Abschlüssen zu bilden, jedoch ganz klar die unterschiedlichen Profile herauszuarbeiten und sichbar zu machen. Der Master der TU als Nachfolger des Diplom-Ingenieurs soll und muss den Charakter des Profession-degree im amerikanischen Vergleich haben. Hier zeigte sich, dass ein Teil der Missverständnisse in der Bewertung der Abschlüsse darin liegt, dass die Hochschulen die unterschiedlichen Profile noch nicht ausreichend ausgeprägt und vermittelt haben. Der Bologna-Prozess fördert den Wettbewerb im Bildungsangebot. Der Bachelor darf nicht verkürzt werden auf eine akademische Erstausbildung, der Master ist ebenso nicht eine Weiterbildungsmaßnahme sondern ein im heutigen globalen Wettbewerb dringend notwendiges Abschlussprofil für die Sicherung des Innovationsvorsprungs. Interessant war der Hinweis von Prof. Steinbach auf die Meinungsmanipulation durch Rankingkriterien wie der Abbrecherquote, die u.a. Studienanfängern und Studienabschlüssen im Semester in Beziehung setzt. Eine Hochschule, die keine Studenten mehr aufnimmt, hat die Abbrecherquote Null, eine Hochschule, die heute - Gott sei Dank - eine hohe Anzahl von Studienanfängern hat, aber wegen des starken Rückganges der Studentenzahlen in den letzten Jahren eine niedrige Abschlusszahl, hat eine hohe Abbrecherquote. Zentraler Diskussionspunkt war das hohe Wissensdefizit zu den Bologna-Prozessen im gesamten Schulbereich. Wie sollen Lehrer die Schüler/innen auf die Hochschule vorbereiten, wenn sie die Kenntnis nicht haben? Diese Erfahrung wurde bei mehreren Schulveranstaltungen gemacht. Hier existiert großer Handlungsbedarf bei den Schulverwaltungen. Die Schüler sind durch nicht ausreichendes Engagement der Lehrer hoffnungslos überfordert, die Ausrichtung der Schulen auf das Abnehmersystem Hochschule fehlt. Es muss viel in Studienberatung investiert werden. Der Wissensstand in Mittelstand und Industrie ist vergleichbar problematisch, nimmt man mal die Firmen mit großen Personalabteilungen aus. Auch hier liegt ein Kommunikationsdefizit zwischen Hochschulen und Abnehmern, der Industrie vor. Die Wirtschaft muss Anforderungen formulieren und die Profilschärfe herausarbeiten. Im Ergebnis gingen alle Beteiligten der Veranstaltung, Hochschule, Wirtschaft und Politik mit Hausaufgaben nach Hause. Dipl.-Ing. Siegfried Brandt
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